Gemüse-Hack-Auflauf

Auflauf… Also Aufläufe fand ich früher vollkommen unprickelnd, nicht zuletzt sicherlich aufgrund des schon erwähnten Dreiklangs „Fleisch“-Gemüse-Sättigungsbeilage+Sauce, der sich, wenn mensch dem ständig ausgesetzt ist, auch einfach in den eigenen Ansprüchen manifestiert. Aufläufe sind, so erscheint es mir zumindest, neben Salat wahrscheinlich DAS prototypischste „Vegetarier“-Essen, zumindest in der Vorstellung jener, die sich bis dato nicht näher mit dieser Ernährungs- bzw. Lebensweise beschäftigten. Aufgewachsen in einem Dorf mitten im ostdeutschen Nirgendwo, und ich meine das nicht im romantischen Nebraska-Style, sondern eher in der Art, dass die nächste Stadt knapp 20km entfernt lag und die dort ansässige Pizzerie und das indische Restaurant die absolut EINZIGEN – und ich meine das so, wie ich es sage – Lokalitäten waren, wo mensch, wenn anlässlich von Geburtstag o.ä. ein Nahrungsausflug mit der Familie anstand, gefahrlos hingehen konnte und wusste, auf der Speisekarte tatsächlich auch Fleisch-(und Fisch, ja, und auch Geflügel!)lose Gerichte zu finden und nicht nur ratlose Gesichter beim Personal zu begutachten, wenn selbiges mit den (in diesem Fall nahrungsbezogenen) Bedürfnissen eines Vegetariers konfrontiert wird. Da hin und wieder auch mal einfache, „deutsche“ Kost präferiert und ein solcherlei kredenzendes Lokal auserkoren wurde, war meine Frau Mama so nett, im Vorfeld dort anzurufen, um sich zu erkundigen, ob denn meine Mehr- oder Wenigkeit dort auch etwas serviert bekäme und nicht dazu verdammt ist, lediglich den anderen bei der Nahrungsaufnahme zuzuschauen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der oder die Angerufene im Anschluss an das Telefonat einen kleinen roten Knopf, rechterhand unter dem Schreibtisch positioniert, drückte, und der gesamte Stab des Restaurants mit blechernen „Vegetarier, Vegetarier“-Rufen aus diversen Lautsprechern in Alarmbereitschaft versetzt wurde, rotes Licht verbreitende Rundumleuchten inklusive. Die Quintessenz war dann meist ein schöner Karteoffelauflauf, wahlweise noch mit anderem in der Küche rumfliegenden Grünzeug „aufgepeppt“, mit schön viel Sahne und dick Käse oben ‚rauf. Man möge mich nicht falsch verstehen, Kartoffeln kriegen von mir ein dickes „thumbs up!“ und Käse fand ich auch nie verkehrt. Aber wenn schick Essen gegangen wird, jedes Gericht mindestens ’nen Zehner kostet und alle um einen rum sich verschiedene exotische Tiere, gefüllt mit anderen, weniger exotischen Tieren, in die Speiseluken schaufeln, und mensch sitzt da, mit ’nem Kartoffelauflauf a la Maggi oder Knorr, ist das schon recht armselig. Für jene, die das verbrochen haben. Jajaja, ich weiss, in der Kochausbildung wird wenig wert auf die Zubereitung von Gemüsekost gelegt und stattdessen allerlei Fauna seziert, mariniert und serviert. Aber wenn ich eines von dicken Kindern, die im Supermarkt auf dem Boden liegend die Fäuste in die Luft werfen und mit klirrender Stimme unverständliche Laute brüllen, gelernt habe, ist es das: Quengeln hilft! Dass Vegetarier zwar in der thüringischen Rhön, aber gesamtgesellschaftlich gesehen sicherlich KEIN Randphänomen mehr sind, sollte bekannt sein. Die Klientel ist also da, und somit auch genügend potentieller Umsatz, der sich mit dem Angebot von Pflanzenkost machen liesze. Die Fixierung auf die einfachst mögliche Zubereitungsart könnte da evtl. abschreckend wirken. Ich meine, bei fleischlicher Kost funktioniert es doch auch. Ich glaube, kaum ein Restaurantbetreiber könnte es sich leisten, als einzige fleischliche Darreichungsform das gemeine Schnitzel anzubieten, ausser vielleicht, es handelt sich um ein sog. Schnitzelhaus. Whatever.
In Jena gibt es übrigens derzeit eine „Initiative Vegane Mensa“, deren Ziele anfangs waren, ein veganes Gericht regulär auf dem Speiseplan zu verankern, mittlerweile ist mensch dort jedoch davon abgerückt und fordert nur noch die Kennzeichnung, falls das Gericht AUCH vegan sein sollte. Witzigerweise wurde bei der Arbeit mit jenen, die für die Mensaspeisen verantwortlich zeichnen, herausgefunden, dass viele der Zutaten, welche auf den ersten Blick NICHT vegan aussahen, es letztlich aber doch waren. Wundervolles Beispiel: BUTTERerbsen. Hoffnungsvoll in die Zukunft schauend gehe ich also davon aus, dass es nicht mehr lang dauern wird, bis die Möglichkeit, als Veganer öfter mal in der Mensa zu essen, keine Utopie mehr darstellt. Und wenn der Analogkäse dann seine leider noch ausstehende gesellschaftliche Renaissance hinter sich hat, sehe ich mich schon bald mit einem AUflauf aus Kartoffeln und Buttergemüse, mit Käse überbacken, auf dem Campus sitzend und Seitan preisend. Hach. Achja: falls mensch ’ne Menge komischer Gemüsen am Start hat, die ersiees entweder unlecker findet oder mit denen ersiees vorher noch nie etwas anfing, ist folgendes Rezept eine ganz gute Verwertungsmöglichkeit. Bei mir waren es grüner Paprika (find ich bäh) und Chicoree (kannte ich bisher wohl nur in Kombination mit Orangen in irgendeinem Salat, ergatterte bei Norma allerdings 3 Stück für 29 Cent).

Zutaten für 3-4 Portionen. Kosten pro Portion: 60-80 Cent (plus Beilage).

  • 100g Sojahack (1 Euro)
  • 1TL Brühe
  • 200ml Wasser (ggf. mehr)
  • 2 Zucchini (sagen wir 30 Cent)
  • 1-2 Chicoree (vielleicht so 50Cent?)
  • 1 grüne Paprika (hm, 30 Cent vielleicht)
  • 1 Zwiebel (10 Cent)
  • Schwapp Öl
  • Salz, Pfeffer
  • 2-3 Tomaten (20 Cent)
  • Paniermehl

Zubereitung

Los gehts: Wasser in einem Wasserkocher erhitzen, in eine Schüssel gieszen, Brühpulver dazu, umrühren und das Sojahack dazu. Die Zucchini waschen, der länge nach vierteln und in Streifen schneiden. Den/die Paprika waschen, Kerngehäuse und Strunk entfernen und würfeln. Die Zwiebel abziehen und in Ringe schneiden. Schauen, ob das Sojahack schon soweit ist, es sollte durchgängig weich sein, das dauert so 15-30 Minuten. Wenn dem so ist: Das Öl in einer Pfanne (ein Wok funktioniert super, wegen der gröszeren Fläche) erhitzen, Zwiebel dazu, glasig werden lassen. Anschlieszend das Hack dazu, ein bisschen anbraten, dann Zucchini und Paprika dazu. Häufiger mal umrühren. Das Ganze so 15 Minuten lang auf dem Herd lassen. In der Zwischenzeit schonmal den Chicoree grob waschen, den Strunk abschneiden. Ein paar äussere Blätter abziehen und den Boden einer Auflaufform damit auslegen. Darauf dann die Hälfte der Gemüse-Hack-Mischung schaufeln, wieder eine Schicht Chicoree-Blätter, darauf dann den Rest der Hackmischung. Die Tomaten waschen, bei Bedarf (ich bin dann meistens doch zu faul, zumindest, wenn ich nur für mich koche) den Strunk entfernen, in SCheiben schneiden und oben auf dem Auflaufinhalt verteilen. Mit Paniermehl bestreuen und ab in den – bestenfalls bereits auf 175 Grad Celsius vorgeheizten – Ofen. Mensch kann das natürlich auch vollkommen ohne Beilagen verzehren, dann sind es allerdings nur schätzungsweise 2 Portionen. Es wäre aber auch ein bisschen zu eintönig, find ich. Gut passen würden jedoch Pell- oder Salzkartoffeln, oder aber diese Zucchini-Muffins, welche halbiert und angebraten werden. Reis oder Nudeln wären wohl nicht so gut, weil dafür zu wenig Flüssigkeit im Gericht vorhanden ist und es dadurch zu trocken werden könnte. Ein Brötchen – trocken oder mit Margarine beschmiert – auf die Hand dazu ist aber auch ’ne ganz gängige Variante.
Krachen lassen!

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