Kurze Rückmeldung und ’ne Handvoll Bilder aus Gent

Ich weiß, es ist furchtbar lang her, seit ich diesem meinem Blog die ihm gebührende Aufmerksamkeit widmete. Währenddessen erreichten die Nutzerzahlen unerwarteterweise nie erahnte Höchstwerte und immerhin schon zwei LeserInnen nutzten die Kommentarfunktion. Unermässlicher Reichtum steht kurz bevor, ich kann es – wie passend – beinahe schmecken!
Bevor ich zu weiteren Rezepten komme, möchte ich noch kurz von meinem Besuch der „Vegetarierhauptstadt Europas“ (zit. nach: ZDF.de, kochen ohne knochen u.a.), Gent, berichten, wo ich vor nicht allzulanger Zeit zwei (2!) Tage verbringen durfte, eine sehr kurze Zeit, die jedoch mit kulinarischen Exquisitäten aufwarten konnte. Die o.g. Aussage, dass diese Stadt die Kapitale der sich fleischlos Ernährenden sei, rührt aus der Initiative, einen Tag pro Woche (Donnerstags) in Restaurants, Kantinen etc. auf Fleisch und Fisch zu verzichten, und zwar aus Gründen des Klimaschutzes oder so. Allerdings mit Einschränkungen, soweit ich weisz beteiligen sich nicht alle gastronomischen Lokalitäten daran, und wem es wirklich nach toter Fauna gelüstet, dem wird auf Wunsch auch solcherlei kredenzt. Dies ist jetzt jedoch die Rekapitulation von bereits vor zwei Monaten Gelesenem, wer verlässliche Informationen benötigt, der oder die schaue hier nach: Klick: http://www.google.de/search?q=gent+vegetarierhauptstadt
Mir ist auch klar, dass es sich bei diesem Blog hier um ein veganes handelt, dennoch sind solcherlei Denkfortschritte, wie ich finde, kategorisch zu begrüßen. Nun, in Gent angekommen, erfreuten wir uns zuallererst an den ungewöhnlich hochprozentigen Hopfenkaltgetränken, deren Existenz, das ist zumindest meine Meinung, lediglich durch das Fehlen eines Äquivalents zum Deutschen Reinheitsgebot gewährleistet wird. Bei Bier mit knapp 13 Volumenprozenten an Alkohol und dem dazu passenden Namen „Belzebuth“ – jaja, auch der Teufel ist ein Kenner des Markenrechts – unterlasse ich jedoch sinnlose Nachfragen und erfreue mich am preiswerten Rausch. Am ersten Abend zog es uns, nach längerem entscheidungslosen Umherschweifen durch die wirklich sehr schöne Innenstadt in ein lediglich vegetarierfreundliches Etablissement, wo ich jedoch die höchstwahrscheinlich beste Lasagne meines bisher nun doch nicht mehr ganz so kurzen Lebens genießen durfte. Meine beiden BegleiterInnen bekamen Ricottagnocchi mit „Stuff“, respektive einen recht bunten Salat mit furchtbar leckerem Käse, serviert. Die Beschreibung dessen mag jetzt nicht so spektakulär ausfallen, jedoch waren wir uns auch nach Besuch der anderen Lokalitäten sicher, dass dies das optisch und kulinarisch absolut ansprechendste war, was Augen und Zunge so vor die Rezeptoren bekamen. Leider habe ich den Namen nicht parat, ich werde die beiden anderen Pappnasen aber mal fragen, vielleicht erinnern die sich ja. Die Preise waren jedenfalls moderat, ich denke, wir zahlten irgendwas zwischen 10 und 12 Euro für die uns jeweils komplett sättigenden Portionen.
Zur Mittagsstunde des zweiten Tages verschlug es uns – mehr oder minder gezwungenermaßen, denn der Hunger war noch nicht so ausgeprägt, jedoch hatte das Restaurant abends geschlossen – ins Avalon, einem bio und vegan only Speisetempel, der bereits bei happycow.net mit guten Rezensionen punken konnte und das wohl verliebungswürdigste Servicepersonal bereithielt, das mir je den Appetit zu stillen vermochte. Endlich einmal auf gehobenem Niveau „Fleischersatz“ zubereitet bekommen! Und so fiel die Wahl dann auch bei zweien von uns auf Seitan Stroganoff, welches ebenfalls äuszerst lecker und appetitlich angerichtet war, dazu gab es Reis, einen offenbar mit dem Eiskugelformer drapierten Klecks Hummus und ein paar andere kleine Gimmicks, die auf dem Teiler verteilt auf Zungenkontakt warteten. Das Gericht der Dritten im Bunde habe ich ebenfalls wieder vergessen, kommt vielleicht später. Auch hier waren die Preise in angemessenem Rahmen, 10-12 Euro pro Portion, vor allem, da es sich ja nicht einfach um einen – pardon – hingerotzten Gemüseauflauf oder so handelte. Absoluter Hingehenstipp auf jeden Fall.
Nachdem ich mir nun mit dem Besuch des Avalon jegliche für den Urlaub gesteckten Ziele erfüllt hatte, wollten wir abends uns dann halt einfach nur im Tasty World – einem, wie ich glaube, rein vegetarischen und vegan-friendly Burgerbrater – ’nen Bulettenbrötchen holen, allerdings kollidierten deren Öffnungs- unschön mit unseren Essenszeiten. Also weitergeschaut und nach längerem Überlegen fielen wir ins Komkommertijd ein, einem ebenfalls rein veganen Restaurant, mit dem laut happycow.net wahrscheinlich besten Vegan-Essen der nördlichen Hemisphäre. Es entpuppte sich als Buffetladen, was mir persönlich jetzt nicht unbedingt sooo gut gefiel, aber es war immerhin all-you-can-eat und die Rezensionen spukten mir ja durch den Hinterkopf. Nunja, ich muss zugeben, ein wenig enttäuscht gewesen zu sein. Das Essen war nicht schlecht, aber eben auch in keiner Weise auszergewöhnlich. Es gab reichlich Salate sowie warme Sachen, wie ein Thaicurry, ein indisch anmutendes Kartoffel-Blumenkohl-Allerlei, Mini-Loempia (aka Frühlingsrollen), insgesamt bestimmt 15-20 verschiedene Dinge plus Vorsuppe (Radieschen, glaube ich) und Nachtisch (Bananen-„crumble“ mit Vanillesauce), alles wie gesagt sehr lecker, aber es warf mich bzw uns nicht vom Hocker. Kostenpunkt waren 15 Euro pro Person, was sicherlich auch gerechtfertigt ist und war, aber eben leider kaum mit den anderen erwähnten Restaurants zu vergleichen ist. Nicht im Pauschalpreis inkludiert waren die Getränke – alle möglichen Säfte, Bio-Bier und -Wein etc.
Schön fand ich hingegen zu sehen, dass dort wirklich alle möglichen Kreise vertreten zu sein schienen: junge, studentisch Aussehende genauso wie Ältere oder solche, die man keinem „alternativen“ Milieu zurechnen würde, rein vom ersten Eindruck her (was jetzt nicht als abwertend anzusehen ist). Im Übrigen fand ich es auch schön, dass es selbst bei irgendwelchen kleinen Imbissbüdchen „Vege(a)burger“ gab, allerdings k.a., ob diese dann nicht auch im Fleischfett frittiert wurden bzw werden.
Insgesamt ist Gent auf jeden Fall eine Reise wert, es gibt dort im handelsüblichen Supermarkt auch jede Menge „Fleischersatz“ zu kaufen, Trinkjoghurt von Alpro und allerlei anderes, womit mensch sich eindecken kann, sodass ein weiterer Belgienbesuch definitiv auf meiner Agenda für die nähere Zukunft steht. Geheimtipp: Übernachten im „Formula 1“: ein Drei-Bett-Zimmer für 48 Euro ist durchaus konkurrenzfähig. Die Tatsache, dass Fenster und Türen mehrfach mit Anti-Einbruchsvorrichtungen gesichert waren und alles irgendwie ein wenig unkomfortabel bzw. „keimig“ daherkam, wohl doch eher als ‚Absteige‘ zu bezeichnen.

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Seitan Stroganoff im Avalon

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‚Ne Burg

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Eine von vielen unverhältnismäszig großen Kirchen

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weiteres Riesengebäudeteil

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In dieser Kirche war ein Gemälde irgendeines berühmten Menschen, dessen Name mir gerade entfallen ist

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Süszes Pärchen beim Samstagsshopping

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Unsere 48-Euro Klitsche en Detail

2 Gedanken zu “Kurze Rückmeldung und ’ne Handvoll Bilder aus Gent

  1. Geiler Beitrag. Vielen Dank. Da hat sich wohl jemand mal wieder um seinen Blog gekümmert.😀
    Auf jeden Fall will ich jetzt nach Gent.
    Und sehr erfrischender Schreibstil – Kompliment.
    Eine Frage zerrt an meinem Nervensystem und die Antwort ist wahrscheinlich brutal unspektakulär: Warum schreibst du „ß“ >meistens< als "sz"?

  2. Hey, tausend dank! Ja, es ist immer schwierig, weil entweder koch‘ ich gar nicht erst, dann wieder vergess‘ ich Bilder zu machen oder die Zutaten mitzuschreiben oder es mangelt an Lust, daraus ’nen Beitrag zu bauen, aber ich versuche weiterhin, das Ganze zumindest hin und wieder zu aktualisieren, auch wenn dann eben mal ein paar Wochen lang Funkstille herrscht (bei 2 ‚Feed‘-Abonnenten bisher ja auch kein Affront gegen die breite Gesellschaft). Vielen Dank auch für das Kompliment bzgl. des Schreibstils. Diese sz-Sache rührt lediglich daher, dass ich finde, dass ‚ß‘ der mit Abstand hässlichste und unpassenste Buchstabe des gesamten Alphabets ist (um genauer zu sein ist er ja bei den 26 Buchstaben gar nicht enthalten), ’sz‘ hingegen ist glaube ich eine etwas ältere Variante dessen, ich hab‘ das von irgendwelchen linken Blogs adaptiert.
    so, dann beste grüSZe,
    frnk

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