Tortilla Espanola, kinda like.

2011-07-09 19-22-21 - Z7090005

Vor 6 Jahren verbrachte ich einen meiner ersten “selbständigen” Urlaube im wunderschönen Santander, spanische Nordküste. Den Ort kannte ich vorher nicht, meine damalige Freundin und ich ließen die Wahl unseres Feriendomizils vielmehr von RyanAir bestimmen, denn unweit des besagten Ortes liegt ein von der erwähnten Fluggesellschaft angeflogener Flughafen. Der zuvor gekaufte Reiseführer war voller nützlicher Hinweise, verschwieg jedoch auch nicht, dass der spanische Norden, touristisch noch eher unerschlossen, hinsichtlich des kulinarischen Angebotes eher traditionell orientiert, auf Vegetarier nicht unbedingt Rücksicht nehme. An einem der ersten Abende dort kehrten wir in eine Bodega ein und ich orderte, der spanischen Sprache nicht wirklich mächtig, ein paar “Croquettes”, zumal die Karte nicht viele (vegetarisch klingende) Alternativen bot. Meine omnivore Freundin kostete glücklicherweise vor, denn die ‘Kroketten’ bestanden nicht, wie hierzulande üblich, aus Kartoffeln, sondern aus püriertem Huhn! Stellt sich die Frage, wer zur Hölle unbedingt Fleisch pürieren muss, bzw. auf was für eine Kindheit des Pürierenden das schließen lässt. Naja. An einem anderen Tag wählte ich, mangels Alternativen, “manchego”, und bekam, wie sollte es anders sein, ein Stück Käse. Pur. Auf einem Teller. So ungefähr 100-150g. Guten Appetit!

Der Reiseführer verriet jedoch auch einen Geheimtipp, um gut und günstig zu frühstücken: am Bahnhof! in den 14 Tagen, die wir dort waren, verbrachten wir dann an mindestens 7 unseren Morgen ebenda. Es gab fantastischen Café con Leche und, ta da: tortilla espanola. Zuvor noch nie gegessen, dort in mein Herz geschlossen. Später noch ein paar mal versucht, nachzumachen, aber so richtig gelang es nicht. Zumal die dort angebotenen Exemplare irgendwie ‘gefüllt’ wurden, ich check’s bis heute nicht, denn eigentlich zerfällt das doch, wenn mensch da versucht, noch einen Schnitt zu machen und das so fladenbrotmäßig zu befüllen. Ich hab auch nix im Internet dazu gefunden, und mensch möge mir glauben, das verfolgt mich praktisch seit der Rückkehr aus diesem Urlaub. Mein Favorit war die Variante mit Champignons, dazu noch dick Mayo und einem Brocken Weißbrot. So hatten wir bereits morgens vor 9 die Hälfte des täglichen Kalorienbedarfs absorbiert und konnten entsprechend gut gerüstet die Umgebung erkunden. Aus irgendeinem Kochbuch hatte ich dann auch mal die wundervolle Erläuterung, dass die spanische Tortilla nicht nur heiß schmecke, sondern auch kalt und sogar … trommelwirbel … lauwarm! Also praktisch immer, und allein das ist doch schonmal was! Wahrlich wunderbares Essen, ich werde es wahrscheinlich ewig mit diesem wunderbaren Urlaub assoziieren. Bitte unbedingt alle mal nach Santander fahren und am (Haupt-?)Bahnhof essen (jener gehörte, sofern mich meine Erinnerung nicht trübt, zum Netz der FEVE; es gibt noch einen weiteren Bahnhof für das Netz der RENFE, da war es aber weniger toll ), die Leute dort sprechen weder englisch noch andere Sprachen, mit denen anderswo versucht wird, sich bei den Touris einzuschleimen, allein das finde ich halt sympathisch, denn es wirkt alles irgendwie sehr “authentisch”. Ist jedenfalls sehr lecker und sieht auch schön aus, sofern es gelingt, die Tortilla am Stück aus der Pfanne zu wuchten. Zu diesem Zweck ist es mehr oder weniger unerlässlich, dass eine beschichtete Pfanne Verwendung findet. Ebenfalls hilfreich ist es, wenn die Pfanne einen abnehm- bzw. schraubbaren Griff besitzt, sodass sie in den Ofen gestellt werden kann.

Das Rezept habe ich jedenfalls von hier, zumindest so in etwa.

Zutaten für 3-4 Portionen (als Hauptspeise) bzw. 6-8 (als Vorspeise)

  • 1 kg Kartoffeln (geschältes Gewicht)
  • 2 Zwiebeln
  • 8 EL Kichererbsenmehl
  • 1 EL Apfelessig
  • 100ml Sojamilch
  • 100g Champignons, in Scheiben geschnitten/TK (fakultativ)
  • 50ml Wasser
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung

Die geschälten Kartoffeln zuerst würfeln (je kleiner, desto kürzer die Zubereitungszeit!), Zwiebeln abziehen und ebenfalls würfeln. Ordentlich Olivenöl in der Pfanne erhitzen, Kartoffeln und Zwiebeln dazu, anschwitzen. Die Temperatur ein bisschen reduzieren und alles gar werden lassen, hin und wieder mal umrühren bzw. wenden.
Zwischenzeitlich Sojamilch, Apfelessig, Wasser und Kichererbsenmehl in einem hohen Gefäß zu einer homogenen Flüssigkeit verrühren. Mit dem Pürierstab geht das am besten, da es sonst müßig ist, die ganzen Klümpchen aus dem Kichererbsenmehl zu entfernen.
Die Masse in eine größere Schüssel kippen. Wenn die Kartoffeln gar sind – also weich – mit einem Pfannenwender oder ähnlichem (sofern noch Öl in der Pfanne ist, soll dieses am besten auch drinne bleiben und nicht mit zum Rest gekippt werden) Zwiebeln und Kartoffeln zu der Kichererbsenflüssigkeit geben, alles verrühren, mit Salz und Pfeffer würzen. Ggf. die Champignons ebenfalls nun dazu geben. Das Öl in der Pfanne wieder erhitzen, ggf neues dazu geben. Die Kartoffel-Zwiebel-Kichererbsenmasse in die Pfanne gießen, glatt streichen, Deckel drauf und auf mittlerer (!) Temperatur ein bisschen garen, 5-10 Minuten. Falls alles danach noch sehr flüssig erscheint: Deckel abnehmen und die Flüssigkeit verdampfen lassen. Nun zwei Möglichkeiten: den Griff der Pfanne abnehmen und bei 200 Grad für weitere 5-10 Minuten in den Ofen, idealerweise ziemlich weit oben, bei eingeschaltetem Grill. Oder vorsichtig die Tortilla aus der Pfanne auf einen größeren Teller gleiten lassen und gewendet zurück in die Pfanne werfen und ebenfalls 5-10 Minuten garen, bzw. solange, bis die Masse nicht mehr flüssig erscheint.
So oder so, im Anschluss auf einen Teller stürzen und wie eine Torte in Stücke schneiden.

PS: Ein besseres Foto existiert leider nicht, denn weder war meine Pfanne irgendwie antihaftend ausgelegt, noch berücksichtigte ich den oben angemerkten Hinweis auf nicht zu hoch eingestellte Temperatur, bzw. komm ich mit der Induktionskochplatte, die hierbei zum Zuge kam, nicht so richtig zurecht. Resultat: Angebrannt, aber so richtig. Ich konnte das zwar noch einigermaßen retten, aber die schöne Tortenform war dahin. Wird auf jeden Fall bald nochmal probiert und dann lasse ich auch die nötige Sorgfalt walten.

2011-07-09 19-22-55 - Z7090010

2 Gedanken zu “Tortilla Espanola, kinda like.

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