Farinata-Blasphemie

Guten Tag Welt,
ich beginne den heutigen Eintrag ausnahmsweise nicht mit einem beinahe nie enden wollenden Monolog über mich, meine aktuelle Lebenssituation, die Herkunft der rezeptarisch vorgestellten Speise o.ä., denn ich habe keine Lust. Desweiteren ist die Idee für das gleich aufgeführte Gericht mehr oder weniger von jetzt auf gleich entstanden, was mir quasi die Möglichkeit abhanden kommen ließ, mich eingehend und brainstormend mit diesem Text hier im Vorfeld auseinanderzusetzen. Ja richtig, Montag oder Dienstag, wenn mal wieder die Deadline für einen neuen Blogpost ansteht, ist der komplette Tag minutiös durchkomponiert. Es beginnt damit, dass ich mich mit meinen Ghostwritern hier im Headquarter am Couchtisch treffe, wir trinken Kaffee mit Sojamilch, besprechen die bedeutenden Ereignisse der vergangenen Woche (Tagespolitik, Baby! Und natürlich ein bisschen Gossip.) und versuchen dann, ausgehend von den Kochtrends, die sich aus dem Kokon des Zeitgeistes herausschälten, ein Rezept zu entwickeln. Meist gegen Mittag steht das grobe Konzept und dann geht es meistens bereits an die Zielgruppenforschung. Umfragebögen werden erstellt, Telefonlisten zusammengestellt und eine repräsentative Befragung via Telefonat durchgeführt. Am frühen Nachmittag werden die von unseren fleißigen Hiwis (ich nenne sie scherzhaft/abwertend “Hilfsäffchen”) eingebenen Daten ausgewertet, das Konzept ggf. angepasst und die Details ausgearbeitet. Dann müssen wir noch jemand Dummen finden, der oder die die Rezepte ausprobiert, wir nehmen meistens Leute, die bei der Blutspende aussortiert wurden, weil sie zu wenig Eisen- und/oder zu viel Schlamm im Blut haben, die machen für ‘nen Zehner fast alles (ich könnt’ Geschichten erzählen!). Nachdem die Gerichte zubereitet wurden, schießen wir ein paar Bilder mit unserem hochprofessionellen Equipment, womit wir leider nicht umgehen können, daher landen, nach ein paar vergeblichen Photoshop-Retusche-Experimenten, die Bilder im virtuellen Papierkorb und wir suchen uns meistens halbwegs passende Bilder bei Google zusammen. Hat bisher immer ganz gut geklappt, und der Moneyflow gibt uns recht.
Jedenfalls: der neulich vorgestellte Kichererbsensnack konnte sich irgendwie nicht so richtig ins Repertoir meiner Heimkinorequisiten einpflegen, da war mir ‘ne Spur zuviel Knusprigkeit mit drin, und nachdem eine veritable Anzahl meiner Zähne nach diversen kleinkindlichen Begegnungen mit Hartholzkanten o.ä. aus einem Material besteht, welches bei Villeroy & Boch bei der Herstellung von Kloschüsseln Verwendung findet und in Dentalform sogar noch viel teurer ist, sind Angst und Bonusheft meine ständigen Begleiter, erstere vor allem, weil letzteres in den vergangenen Jahren sich schrumpfender Beachtung missfreute. Missfreute. Ein schönes Wort. Zahnersatz ist jedenfalls eine furchtbar kostspielige Angelegenheit, ich kann nur jeder_m davon abraten. Zurück zum Punkt: ich erinnerte mich an eine furchtbar leckere Speise, die ich vor ein paar Jahren im italienischen Livorno kennenlernte: Cecina aka Farinata. Hauptzutat: Kichererbsenmehl. So called Arme-Leute-Essen. Ich entschloss mich also, den bereits zubereiteten Kichererbsen eine zweite Chance zu geben, also ab in die Kaffeemühle. Zwar waren sie, wie bereits im anderen Rezept erwähnt, mit Garam Masala gewürzt, aber das war nicht so wild. Wo ich schon dabei war, mal wieder ein traditionelles Rezept zu vergewaltigen, hab’ ich dann noch ein paar selbst getrocknete Cherrytomaten und Paprika dazugegeben. Insgesamt ganz nett, ich werde in nächster Zeit jedoch auch mal das Original hier reinstellen, das schmeckt nämlich ganz schön.

2011-07-19 11-49-58 - Z7190074

Zutaten für 2 Portiönchen

  • 110g Kichererbsenmehl, in meinem Fall geröstet
  • 200ml Wasser
  • Salz
  • Pfeffer
  • Rosmarin
  • 2 EL Olivenöl
  • ein paar getrocknete Tomaten, ggf. ein paar Streifen getrockneter Paprika

Zubereitung

Kichererbsenmehl, Wasser und Olivenöl miteinander verrühren. Der Pürierstab sei dein Freund, denn sonst wird das eine mühselige Angelegenheit, Stichwort Klumpenbildung. Für mindestens eine Stunde stehen lassen. Den Rest der Zutaten einrühren, in eine kleine runde Springform geben, und im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad 20-30 Minuten backen. Kann mensch notfalls auch kalt essen, aufwärmen funktioniert wohl nicht so gut, weil die Farinata dann sehr hart wird.

2011-07-19 11-49-50 - Z7190073

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