Königsberger Klopse 2.0

2013-11-30 14-10-24 - PB304985

Die einst hier vorgestellten Königsberger Klopse habe ich tatsächlich nur damals das einzige Mal zubereitet, keine Ahnung wieso, ich hatte die irgendwie nicht mehr auf dem Schirm. Ich hatte mir das aber neulich noch einmal vorgenommen und immer wieder verschieben müssen. Da ich in den letzten Wochen wegen „Arbeit“ und anderer Verpflichtungen mittags meist nur ein verspätetes Frühstück einnahm, fiel dann also der Kochtermin auf’s Wochenende. Wenn Erwachsensein bedeutet, dass Dinge, die man gerne machen möchte, in das enge Korsett der beiden „Wochenende“ genannten Tage irgendwie hineingepresst werden müssen, finde ich das ziemlich scheiße und bereue, dass weder ich noch meine Eltern jemals ernsthaft den Versuch unternahmen, mich mittels hormoneller Behandlung, abwegigen Erziehungsmethoden, Kastration oder was auch immer in der ewigen Schwebe der Adoleszenz zu halten. Ich musste jedenfalls feststellen, dass entgegen meiner Annahme, dass Tofu im Haus bzw. Kühlschrank sei, selbiger irgendwann anders mal verbraucht wurde. Da ich im fantastischen Asia-Supermarkt in der Ritterstr. in Leipzig jedoch neulich Tempeh entdeckte und einsackte, dachte ich mir: warum nicht damit versuchen? Also die Versuchsanordnung von damals wiederholt, Tempeh gedämpft, zerbröselt und mit den anderen Zutaten vermischt, alles kein Problem, die Masse war ein wenig trocken und mürbe, ließ sich aber super formen. Ich habe außerdem den Tipp von „Pat Appleton“ in „den Kommentaren“ (in Anführungsstrichen, weil es der einzige war) beherzigt und diesmal Glutenmehl statt Mehl genommen. Im Topf jedoch zerlegten sich direkt einige der Klöße, was unter anderem daran lag, dass das Wasser sprudelnd kochte und, weil die Masse einfach zu trocken war. Zum Glück ging ich diesmal anders vor: ich wollte die Klopse erst in Brühe garen, dann herausnehmen und die Brühe dann für die Sauce weiterverwenden. Obwohl, vielleicht hätte die Stärke in der Sauce letztlich doch auch zur Stabilität beigetragen. Wir werden es nie erfahren. Jedenfalls: die intaktgebliebenen Klopse habe ich also herausgeholt und abkühlen lassen, die Sauce samt Klopsnebel durch ein Sieb gedrückt, den „Trester“, also das im Sieb Verbliebene, mit Gluten wieder in Form gebracht und dann hat es gehalten. Ich nehme an, es lag daran, dass der damals verwendete Tofu im Gegensatz zum Tempeh mehr Feuchtigkeit besitzt. Wieder etwas gelernt, zum Glück kam ich nicht auf die Idee, das Gericht jemandem vorzusetzen, ich hätte vermutlich aus Verzweiflung geweint.

2013-11-30 14-10-15 - PB304984

Zutaten für ca. 4-6 Portionen

  • wie hier, mit folgenden Änderungen:
  • 200g Tempeh statt Naturtofu
  • Mehl weglassen
  • ca. 50-100ml Wasser
  • 2 EL Glutenpulver + 4-5 EL, nach Bedarf
  • die Zutaten für die Sauce habe ich komplett halbiert

Zubereitung (Dauer: 90 Minuten sollte man einkalkulieren)

Den Tempeh 15 Minuten dämpfen und etwas auskühlen lassen, zusammen mit dem Räuchertofu in eine Schüssel bröseln. Die anderen Zutaten dazugeben und alles schön mischen und verkneten. Der Teig sollte sich nicht zu trocken und auf keinen Fall bröslig anfühlen.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wie im verlinkten Rezept fortfahren (d.h., die Sauce herstellen und die Klopse darin garen), oder: Brühe in einem Topf aufkochen, die Hitze reduzieren (so, dass die Flüssigkeit nicht mehr blubbert, ein paar Grad Celsius unterhalb der Siedetemperatur also) und die Klopse für eine halbe, dreiviertel Stunde garen. Am besten ist es auch hier, einen Probeklops zu formen und erst einmal ein paar Minuten in die Brühe zu geben, um zu sehen, ob es hält, und ggf. mit Gluten und Wasser bei den anderen Klopsen nachjustieren. Nach Ende der Garzeit die Klopse herausnehmen, die Brühe in ein anderes Gefäß geben (so kann der Topf als Saucentopf weiterverwendet werden) und die Sauce nach dem Rezept im Link herstellen (die Klopse brauche dann eben keine 45 Minuten mehr, sondern können seperat erhitzt oder kurz vorm Servieren in die Sauce gegeben werden). Achja, und Kartoffeln sollte man nebenher natürlich auch noch garen, ich zum Beispiel habe sie diesmal gedämpft, ich mag dämpfen, da ist so viel Dampf im Spiel.

2013-11-30 14-10-05 - PB304982

Cassoulet

2013-11-03 19-36-11 - PB034931

Mein irgendwann angekündigtes Vorhaben, über die Zeit angehäufte Lebensmittelvorräte aufzubrauchen, geht bisher nur allzu schleppend voran. Zu oft kann ich nicht daran vorbeigehen, wenn ich irgendwo frisches Gemüse sehe, welches, womit ich immer rechne, womöglich am nächsten Tag entweder zehn mal so teuer oder gar ganz (für immer!) aus den Geschäften verschwunden ist, denn das Damoklesschwert der anschließenden Reue schwingt beharrlich über meinem Haupt. Ich erinnere an den Rucola, der vor ein paar Jahren aus den Discountern verschwand, nachdem in einer Packung irgendein seltsames anderes und wohl auch der Gesundheit nicht unbedingt zuträgliches Gewächs gefunden wurde. Und das, als ich gerade Frieden, nein: Freundschaft mit diesem bis dato eher gemiedenen Kraut schließen wollte. Folgendes Szenario: bei der Kartoffelernte rutscht ein kartoffelgroßer Stein mit in die Erntemaschinerie, windet sich wieselartig durch alle Qualitätskontrollen und landet schließlich auf dem Teller eines zum ersten Mal mit Erdäpfeln hantierenden Menschen, der sich beim beherzten Biss in den sich trügerisch als Nachtschattenfrucht herausgeputzten Fels den Eckzahn gen Augenhöhle schickt. Also Leute, bunkert! Der Tag wird kommen! Wie dem auch sei, vor ein paar Jahren erhielt ich von einem Freund ein Gläschen Cassoulet, und abgesehen davon, dass ich Essensgeschenke in etwa so liebe wie frischgebackene Eltern ihren Spross – mal hundert! , war das auch sehr leckerschmeckend und eine schöne Möglichkeit, Hülsenfrüchte in die Ernährung einzubauen. Da ich in den kommenden Tagen wegen diverser Verpflichtungen, wie Waffenschieberei, Menschenhandel, Zuhälterei und Verstoßes gegen das BtMG, abends vermutlich wenig Lust und noch weniger Zeit habe, mich mit der Nahrungszubereitung auseinanderzusetzen, dachte ich mir, ist das doch eine gute Gelegenheit, mal wieder etwas mehr zu kochen, um dann zum Feierabend ins gemachte Nest bzw. Essen zu schlüpfen (im übertragenen Sinne, ge?!).
Das “Rezept” bzw. dessen (fehlende) Mengenangaben folgten im Übrigen einzig der Maßgabe, soviele in Dosen und im Tiefkühlfach schlummernde Relikte wie möglich zu verwenden. Irgendwann einmal habe ich bspw. selber Seitanwurst hergestellt, und da Cassoulet im Original ein Sammelsurium verschiedener Fleisch- und Wurstsorten darstellt, war das ganz gut passend. Des Weiteren hatte ich mal weiße Bohnen gekocht und anschließend eingefroren, genauso wie die letzten Winter gewürfelten Wurzelgemüsen, deren Schicksal eigentlich eine Saucenbasis sein sollte.

Zutaten

  • Hülsenfrüchte (bei mir: weiße und Berlottibohnen)
  • Wurzelgemüse (bei mir Möhren, Pastinaken, Petersilienwurzel)
  • Vegane Wurst
  • Zwiebel
  • Brühe
  • Weißwein
  • Lorbeerblätter
  • Oregano
  • Thymian
  • Estragon
  • Paprikapulver
  • Salz
  • Pfeffer
  • Alsan
  • Semmelbrösel

Zubereitung (Dauer: 2 Stunden sollten eingeplant werden)

Die Wurzelgemüse ggf. putzen und würfeln. Hülsenfrüchte sollten in bereits gekochter Form vorliegen, ansonsten: in reichlich Wasser einweichen und am nächsten Tag kochen und dann fortfahren. Die Zwiebel abziehen und würfeln. Den Knoblauch ebenfalls abziehen. Die Wurst in Streifen oder Würfel schneiden. Etwas Olivenöl erhitzen und Zwiebel, Wurzelgemüse und Wurst andünsten. Die Hülsenfrüchte hinzugeben mit Weißwein ablöschen und mit Gemüsebrühe aufgießen (es muss jetzt keine dünne Suppe sein, sondern ein dicker Eintopf; wenn es zu dünn sein sollte, ohne Deckel köcheln lassen, ansonsten mit), Lorbeerblätter dazugeben. Köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist. Die Lorbeerblätter entfernen und mit den Gewürzen abschmecken.
Die Eintopfmasse in eine große bzw mehrere kleinere Aufflaufformen geben.
30 Minuten bei 180 Grad Celsius in den Backofen geben. Etwas Alsan schmelzen und mit Semmelbröseln und noch etwas Thymian zu einer dicken Paste verrühren, diese dann auf der Masse in den Aufflaufformen verteilen und nochmal 15 Minuten backen, bis die Kruste gut gebräunt ist. Baguette passt ganz gut dazu, ein Salat auch.
2013-11-03 19-37-05 - PB034939