Piroggen bzw. Piroschki mit Kartoffel-Pilz-Füllung

Last in, first out. Während meines Anfang des Jahrtausends begonnenen Informatikstudiums war dies ein Prinzip bei der Speicherung von Daten oder so. Vollkommen nutzlose Nebeninformation, aber irgendwie die Art und Weise, nach der ich beim Bloggen vorzugehen scheine: wenn irgendwelche zumindest stichpunktartig festgehaltenen Rezepte nicht innert einer Frist von, sagen wir, zwei bis vier Wochen verbloggt werden, gehen sie verschütt’ und stattdessen erhöht sich die Chance, dass zwischenzeitlich zubereitete Speisen den Weg auf diese wundersame Webseite finden. Besagte Piroschki bzw. Piroggen habe ich in ähnlicher Form bereits vor etwa zwei Jahren zubereitet und mir zumindest die Zutaten notiert. Wenn ich daran zurückdenke, zwei Jahre, wird mir gar ein wenig warm im Bauch. Just umgezogen, von einer diffusen hoffnungsvollen Aufbruchstimmung erfüllt, die Tage mit nicht viel mehr als Lesen und Kochen verbringend und fest daran glaubend, dass das Glück schon längst auf dem Weg sei zu mir, aktuell lediglich nach meiner neuen Adresse Ausschau haltend.
Piroggen lernte ich vor etwa vier Jahren kennen, eine der wenigen verbliebenen positiven Erinnerungen an Jena. Dort gab – oder gibt? – es in der, ich glaube, Zwätzengasse, ein kleines russisches Lädchen, wo allerlei Osteuropäisches zu haben war. Ich habe mich leider nie so richtig darin umgesehen, denn Läden, in denen ich mich mehr oder minder permanent der Beobachtung des Personals ausgesetzt sehe, meide ich phobienbedingt üblicherweise. Die Piroggen mochte ich dennoch sehr, es gab sie in allerlei Variationen, mit Kartoffeln, Kraut, Pilzen, gekochten Eiern und vermutlich auch mit fleischhaltiger Füllung. Es gibt wohl unterschiedliche Arten von Piroggen, nämlich solche, die eher wie Ravioli anmuten und ohne Hefe gemacht mit Sauce angerichtet werden und eben die Art gefülltes Brötchen, wie in diesem Beispiel. Bei meinem ersten Selbstbauversuch nahm ich eine Mischung aus geröstetem Chinakohl und Karotten, vielleicht werde ich das noch nachreichen. Da mir das Leben jüngst ein Pfund Champignons in den Kühlschrank spülte, mussten jene diesmal als Füllung herhalten. Der improvisierte Dilletantismus beim Formen der Teile ward schließlich dadurch geadelt, dass meine Freundin R. anerkennend feststellte, dass die von ihrer Mama zubereiteten Exemplare exakt genauso aussähen. Chapeau vor mir selbst!

2014-10-22 14-29-57 - PA226408

Zutaten für ca. 40-50 Stück

  • 500ml Sojamilch
  • ca 720g Mehl
  • 2 Päckchen Trockenhefe
  • Schluck Olivenöl
  • Salz
  • 500g Champignons
  • 50-100g Lauch oder Frühlingszwiebeln
  • 3 Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • Öl
  • Salz
  • Pfeffer
  • Bohnenkraut
  • Kümmel, gemahlen

2014-10-23 10-56-09 - PA236410

Zubereitung (60 bis 90 Minuten?)
Zuerst mal bitte aus Sojamilch, Mehl, Hefe, Salz und Olivenöl einen Hefeteig herstellen. Ich kann nicht oft genug betonen, wie sehr ich mein DDR-Rührgerät liebe, das mir ohne klebrige Pfoten die schönsten Teige zaubert. Falls der Teig zu trocken oder noch klebrig sein sollte, etwas Wasser bzw. Mehl zugeben (vermutlich letzteres wird der Fall sein). Abgedeckt mindestens 30 Minuten gehen lassen.
Zwischenzeitlich die Champignons putzen: Stielenden abschneiden und den Rest des Pilzes mit Küchenkrepp säubern. Grob hacken oder in Scheiben schneiden. Den Lauch putzen und in grobe Scheiben schneiden. Die Kartoffeln schälen und in etwa 5mm große Würfel schneiden. Die Zwiebel abziehen und Würfeln. Eine Pfanne erhitzen, die Kartoffelwürfel und eine Tasse Wasser hineingeben, aufkochen. Die Kartoffeln sollen im Wasser so halbgar ziehen, also 7-10 Minuten kochen. Wenn das Wasser zwischenzeitlich verdampft sein sollte, noch etwas nachgießen. Am Ende der genannten Zeit sollten die Kartoffeln jedenfalls trocken sein. Champignons, Lauch und Zwiebeln dazugeben. Das Gemüse verliert erst einmal Wasser. Wenn dieses ebenfalls verdampft sein sollte, etwas Öl angießen und alles scharf anbraten. Wenn die Kartoffeln weich sind, Pfanne vom Herd ziehen und abkühlen lassen. Mit den Gewürzen abschmecken
Den Teig ausrollen. Nicht zu dünn, etwa 5mm dick. Kreise von etwa 5-7cm ausstechen. In die Mitte jedes Kreises etwas von der Gemüsemischung geben und zuklappen, dabei die Kanten gut festdrücken. Die Naht auf die Unterseite drehen und die Teigpäckchen etwas nach unten drücken, so dass die soeben noch bogenartig geformte Naht nun Plan aufliegt und die Teile aussehen wie sehr sehr fette Raupen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und im Ofen bei 50 Grad Celsius nochmal 30-40 Minuten gehen lassen. Die Temperatur anschließend auf 180-200 Grad erhöhen und etwa 20 Minuten backen, bzw. bis die Piroschki hellbraun werden. Entweder direkt verputzen oder auch kalt als Snack. Lassen sich auch gut einfrieren!

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