Falafel-Pizza, Deep-Dish/Chicago-Style

Da ich bald nach Israel fliege, bin ich in den letzten Wochen kulinarisch wieder stark auf dem Nah-Ost-Trip. Ich bin sehr gespannt darauf, was ich dort essensmäßig entdecken kann, dazu das passende Setting, in dem es vermutlich nochmal so gut schmeckt. Die Vorfreude wächst mit jedem Tag. Wie dem auch sei, da ich am Wochenende eine große Menge Falafel und Hummus herstellte, kam dann, wie meist, irgendwann die Frage auf, was mir, neben Einfrieren, noch für Möglichkeiten blieben, wenn ich mich in den nächsten Tagen nicht ausschließlich davon ernähren möchte. Falafel-Pizza war dann auch die erste Idee, schließlich habe ich in den letzten Wochen wieder einen ausgeprägten Pizza-Appetit entwickelt, der mich mindestens einmal pro Woche überkommt und dann auch unmittelbar gestillt werden MUSS. Und weil ich schon lange keinen Teig mehr selber machte, dachte ich, kann es diesmal auch etwas besonderes sein. Diese American bzw Chicago-style Pizzas, die man auch als TK-Varianten findet, fand ich immer irgendwie interessant, einfach, weil sie im Kontrast standen zur gewöhnlichen, sehr dünnen Pizza und einfach mal ganz geil aussiehen. Also warum nicht mal die amerikanisch-israelische Freundschaft zu einem Ofengericht verbacken, ich hatte in der Vergangenheit schließlich schon oft dümmere Ideen. Eine war z.B., noch Salat oder Kraut mit reinzupacken, um echtes Döner-Feeling zu erhalten, aber zum Glück habe ich das schlichtweg vergessen. Der Teig ist auch toll, mal sehen, was sich damit noch so bauen lässt.

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Zutaten für 3-4 Portionen

  • 200ml Wasser
  • 375g Mehl
  • 75g Maismehl
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • Salz
  • Olivenöl
  • 200g Falafel
  • 1 Aubergine
  • 2 Zwiebeln
  • Hummus
  • Wilmersburger Pizzaschmelz
  • Tomaten

Zubereitung (Dauer: 2-2,5h, würde ich mal tippen)
Am Anfang war der Teig.

Mehl, Maismehl, Wasser, Trockenhefe, Salz und einen Schluck Olivenöl miteinander verkneten. Das Rührgerät mit Knethaken ist dein Freund, wie so oft. Wenn der Teig zu trocken sein sollte, noch ein bisschen Wasser dazu, wenn zu feucht, ein bisschen Mehl. Abgedeckt gehen lassen.
Die Aubergine waschen und quer in dünne Scheiben schneiden. Üblicherweise salzt man an dieser Stelle, um Wasser und Bitterkeit auszutreiben, ich war jedoch sehr hungrig und habe den Schritt übersprungen, was kein Problem war. In einer Pfanne erst ohne Öl beidseitig anbraten und dann etwas Öl dazugeben und schön braun braten. Salzen und pfeffern, in eine Schüssel geben. Die Zwiebeln abziehen, in dünne Ringe schneiden und ebenfalls anbraten.
Der Teig sollte in der Zwischenzeit merklich zugenommen haben. Eine Springform damit auskleiden, dabei auch einen Rand hochziehen. Meistens nehme ich noch Backpapier, das war in dem Fall aber nicht nötig, da ist nix angebacken.
Hummus dick aufstreichen und weiterhin etwas gehen lassen. Ich hab den Teig für ein paar Minuten in den warmen Ofen gegeben.
Wilmersburger Käse über den Hummus streuen.
Die Falafel grob zerteilen und darüber verteilen.
Darauf wiederum die Auberginenscheiben geben.
Hierüber nun die Zwiebeln geben.
Mit Pfannenwender alles ein bisschen platt drücken, zumindest in meinem Fall war es mehr Hügel als Pizza. Dadurch wird alles ein bisschen kompakter und es hält erstaunlich gut zusammen.
Die Tomaten waschen und, je nach Größe, entweder in Scheiben schneiden oder nur vierteln/halbieren. Ich nahm Dattelkirschtomaten und habe sie nur halbiert, das war ok so. Auf der Pizza verteilen.
Da die Ruhezeit des Teigs nicht so unglaublich lang war, habe ich den Ofen nicht vorgeheizt, damit die Pizza während der Aufwärmphase im Ofen noch ein bisschen aufgehen kann. Bei 180 Grad gab ich der Chose dann gut 25 Minuten, das ist jedoch unmittelbar abhängig von der Heizgeschwindigkeit des Backofens. Der Teig sollte Farbe bekommen haben und die Tomaten weich sein. Die restlichen Zutaten sind ja eh bereits vorgegart. Rausnehmen, noch einen Moment ruhen lassen und anschneiden.
Ta da!

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Pfirsich-Curry mit Fakefleisch

Nachdem mich ein nächtlicher Ausflug zum Discounter meines Vertrauens mit einer Unmenge verzehrwerter Nektarinen (nein, keine Pfirsiche. Da das eine aber nur ne Mutation des anderen ist und Pfirsiche irgendwie „truer“ und „realer“ (englisch ausgesprochen) sind, heisst das Ganze „Pfirsich-Curry“. Probleme damit?) belohnte, ich dem meisten Obst in roher, unpürierter Form aber wenig abzugewinnen vermag, begab ich mich googelnd auf die Suche nach einer Verwertungsmöglichkeit, in welcher mindestens ein Kochtopf vorkommt. Ziemlich schnell fand ich somit Inspiration in der chinesischen Küche. Da ich aber auch noch ein paar Bananen vor der Biotonne retten musste und zudem noch Appetit auf Fakefleisch hatte, blieb mir schlieszlich nichts anderes übrig, als nach eigenem Gutdünken zu verfahren und zu hoffen, dass ich mir im Anschluss nicht die Gedärme aus dem Leib reiern muss. Experiment geglückt! Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass Curry und China eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Ausserdem bin ich eigentlich auch kein Freund von fertig zusammengepanschtem Currypulver, bei indischen Gerichten bevorzuge ich daher auch das eigenhändige Verrühren von Koriander, Cumin usw. Da ich von asiatischer Küche allerdings relativ wenig Ahnung habe, vor allem, wenn noch Zutaten wie Obst Verwendung finden, wollte ich mich nicht allein auf mein Gespür verlassen. Daher könnte man das Ganze vielleicht als Art „Crossover-Küche“ bezeichnen, böswilligere Zeitgenossen würden die Formulierung „Vergewaltigung der chinesischen Esskultur“ benutzen. Mit zunehmenden Erfahrungen werde ich versuchen, dies nachträglich zu korrigieren, versprochen. Vorteil dieses Gerichts ist aber, dass es nicht sonderlich lang dauert, wenig Aufwand erfordert und zudem auch noch gut schmeckt, wenigstens aber „interessant“.

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Zutaten für circa 3 Portionen:

  • 3 Nektarinen oder Pfirsiche
  • 2 Bananen
  • 1 Schwapp Öl (Sesamöl ist relativ authentisch. Gerne aber auch Nullachtfuffzehn Pflanzenöl)
  • 1 Zwiebel
  • 100ml Sojamilch (oder -sahne. Ist aber teurer. Und Öl+Milch ergibt schlieszlich auch irgendne Art Sahne, oder?)
  • 1TL 5-Gewürzpulver (chinesisch)
  • 1TL Ingwer (wer frischen bevorzugt, möge diesen nehmen. nicht vergessen: vorher schälen, anschliessend raspeln oder kleinschneiden)
  • 1TL Cayennepfeffer
  • 1TL Currypulver
  • 1-2 Zehen Knoblauch, gepresst, gequetscht oder zerschnibbelt, oder das Äquivalent in Streugut
  • 2EL Zitronensaftkonzentrat (aus diesen kleinen niedlichen Fläschchen. Ich weiss: der Saft einer frischen Zitrone ist besser, leckerer etc., ich hatte aber keine da und ausserdem auch kein Geld)
  • Salz nach Geschmack
  • 200-300g Fakefleisch, ganz nach individuellen Vorlieben (Seitan, Sojasteakli, Tofu, Tempeh; Zubereitung siehe unten)
  • Reis: Menge je nach Angaben auf der Packung, lieber etwas mehr.

Zubereitung

Wenn es sich um ungewürztes Fleischimitat handelt, sollte mensch es vorher irgendwie geschmacklich „aufpimpen“. Ich entschied mich im übrigen für die fabelhaften Chickpea-Cutlets aus dem Veganomicon, die hatte ich vorher schon ein wenig überwürzt und so gingen sie in diesem Gericht geschmacklich nicht vollkommen unter.

  • Sojasteakli: wie gewohnt in starker Brühe kochen, diese nach Bedarf noch mit Sojasauce und diversen schärferen Ingredienzien aufmöbeln. Wenn die Schnitzelchen durch sind, auspressen, in Streifen schneiden. Die Brühe kann mensch noch ein bisschen einkochen lassen und als Fond für ’ne Sauce oder so verwenden. Dies sollte mensch allerdings in den nächsten Tagen tun, oder aber mit Einkochgläsern und heissem Wasser oder wie auch immer mensch das macht haltbar machen. Einmal tat ich weder das eine, noch das andere und bewahrte über Monate hinweg eine mehr und mehr lebendig aussehende Flüssigkeit, die ich irgendwann Klaus taufte, auf meinem Fensterbrett auf. Besucher nahmen das immer wieder verwundert zur Kenntnis und fragten mich auch hin und wieder, ob er denn schon laufen oder sprechen kann, wann er denn in die Schule kommt und solche Sachen. Irgendwann warf ich Klaus ins Klo.
  • Seitan oder Tempeh: mit Sojasauce beträufeln, gerne auch noch Cayennepfeffer oder so drauf streuen.
  • Tofu: ordentlich auspressen! Trick: in kleine, 0,5-0,8cm dicke Streifen schneiden, auf einen Teller legen (zwischen den Streifen Platz lassen!), in die Mikrowelle packen, bei höchster Stufe so 5 Minuten erhitzen, anschließend die Teile wenden und noch mal für ein paar Minuten (am besten erstmal nur so 2 Minuten, es soll schlieszlich nicht zu trocken werden) durchwellern. So bekommt der Tofu eine spitzen Textur, mensch muss nur echt aufpassen, dass er nicht zu trocken und zäh wird. Anschlieszend mit Sojasauce und Gewürzen nach Wahl (auch hier: scharf is best) malträtieren.

Weitere Vorbereitung: Die Zwiebel scheiblieren, das Steinobst würfeln oder in Scheiben schneiden (ich bin da ganz undogmatisch), die Bananen – sofern sie noch einigermassen in Form sind – in Scheiben schneiden.

Nun der schöne Part: Öl in einem Topf erhitzen. Die Zwiebeln ein bisschen verglasen lassen, die Bananenscheibchen dazu geben und auch ein wenig anschwitzen lassen. Nun die Steinobstscheiben, -würfel oder was auch immer dazugeben und beobachten, wie die ganze Chose immer breiiger wird. Nicht verzweifeln! Was man an Gewürzen von dort oben in seiner Küche finden konnte, kann nun auch dazu geworfen werden, umrühren. Wiederholung von letzter Stunde: Streugewürze über den Umweg eines Löffels, eines Tellers oder aber der blanken (gewaschenen!) Hand an heisse Speisen geben! Aufpassen, nicht anbrennen lassen! Mit Sojamilch ablöschen, umrühren, noch ein wenig einkochen lassen. Währenddessen schonmal den Boden einer Aufflaufform mit den Fakefleischstreifchen auskleiden, gerne auch überlappend, und bedenke: lieber zu viel als zu wenig. Den Ofen schonmal auf 180-200° C vorheizen. Den Inhalt des Topfs mit viel Liebe und gaaanz behutsam in die Auflaufform gieszen, wir wollen schlieszlich nicht rumsauen und uns auch nichts von der heissen Pampe auf unsere stählernen Bodies kippen. Form in den Ofen schieben, wo sie sich gut eine halbe Stunde der tropischen Zustände erfreuen darf. In der Zwischenzeit kann mensch sich um den Reis kümmern. Wenn wir stinknormalen weissen Reis haben, gehen wir wie folgt vor: für eine Person rechnen wir circa eine dreiviertel Tasse plus die doppelte Menge Wasser. Den Reis in einen Topf geben, Herdplatte anschalten, unter Rühren ein wenig anrösten => zaubert ein wenig zusätzliches Aroma rein. Basmati ist im Übrigen King! Der Reis soll nicht schwarz werden, also nicht übertreiben. Das Wasser dazu (also pro Person circa anderthalb Tassen), dazu noch etwas Salz, umrühren, Deckel drauf, aufkochen lassen. Wenn es erst einmal kocht, die Temperatur auf maximal die Hälfte reduzieren, nochmal umrühren, weiter Deckel drauf lassen und so für 10 bis 20 Minuten köcheln lassen. Das Tolle daran ist, dass am Ende der Reis das Wasser vollständig aufgenommen hat, den perfekten Biss hat und man nicht mit Kochbeuteln kämpfen muss, aus denen heisses Wasser fliesst, welches es nur darauf abgesehen hat, unsere göttlichen Hände zu verbrennen. Bei Naturreis kann man prinzipiell genauso verfahren, nur erstens dauert es da mindestens eine halbe Stunde und zweitens kann es sein, dass man am Ende ohne Deckel kochen muss, weil der Reis sich dagegen sträubt, das gesamte Wasser aufzusaugen.

Nachdem wir auch diese Hürde gemeistert haben, geht es nun an’s Anrichten. Toll sieht es aus, wenn man eine möglichst flache Tasse mit Reis füllt, diesen festdrückt, einen Teller mittig auf die Tasse setzt, die ganze Konstruktion voooorsichtig umdreht und die Tasse anhebt. Voila, eine wunderhübsche Reiskugel! Nun kann man das Curry aus der Auflaufform schön drumherum drapieren und wenn man sich anspruchsvoll oder betrunken genug fühlt, kann man noch mit Kräutern oder Gewürzen (für das Foto entschied ich mich für getrocknete Petersilie) eine hübsche Dekowinterlandschaft modellieren.

Buon appetito

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